May 2

Kreatives Umdeuten ( Reframing)
Die Grundlagen

Das "Teilemodell" im NLP
Das Teilemodell im NLP geht von der Grundannahme aus, dass die Persönlichkeit eines Menschen sich als ein aus vielen (meist unbewussten) Persönlichkeitsanteilen zusammengesetztes erklären lässt. Wir erfahren uns auf den ersten Blick als eine Persönlichkeit mit Verhalten, Fähigkeiten, Überzeugungen usw., doch nach diesem Modell gibt es ein ganzes System von Anteilen, die all dies hervorbringen. Deshalb erscheint uns unser verhalten und Denken oft so widersprüchlich.

Sprachliche Hinweise auf eine solche innere Aufteilung sind z.B.:
„einerseits – andererseits“ „etwas in mir zwingt (bremst) mich...“ „In dem Moment war ich nicht ich selbst.“ „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.“ „ja, aber...“ usw.

In diesem Modell gibt es z.B.:
einen "Teil", der dafür verantwortlich ist, dass ich morgens aufstehe. einen "Teil", der dafür verantwortlich ist, dass ich rauche.
einen "Teil", der dafür verantwortlich ist, dass ich auf Kritik wütend reagiere. Wir kennen das auch aus verschiedenen Lebenskontexten - Je nach dem wo ich mich z.B. befinde, scheine ich auch in eine andere Rolle zu schlüpfen – in der Firma, beim Partner oder als Elternteil.

Weiter gehen wir im NLP von der Annahme aus, dass jeder dieser Teile mit dem was er tut, eine gute Absicht verfolgt, unabhängig davon, ob wir die Art und Weise, wie er das tut, schätzen oder ablehnen. Das soll heißen, wenn wir in der Absichtskette nur tief genug graben, erscheint letztendlich ein positiver Grund, auch wenn das Verhalten absolut verwerflich erscheint.
Bei der Arbeit mit Teilen wird deshalb zunächst die positive Intention des Teils, der die unerwünschte Verhaltensweise/Reaktion/Emotion hervorbringt herausgefunden und gewürdigt, so dass eine Aussöhnung mit dem Verhalten (und dem Teil, der dieses Verhalten auslöst) möglich wird. Danach werden neue Möglichkeiten zur Verwirklichung dieser positiven Absicht gefunden. Ein ausgeglichener und kongruenter Mensch lebt - entlang dieses Modells gedacht - in Harmonie mit all seinen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen.

Die Vorannahmen


Beim Reframing wird im von folgenden Annahmen ausgegangen:
•    Jedes Verhalten ist in irgendeinem Kontext sinnvoll.
•    Jedem Verhalten wird eine Bedeutung zugeschrieben.
•    Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.
 
Probleme haben wir dann,
•    wenn ein Verhalten in einem unpassenden Kontext auftritt; d.h. wenn ein Verhalten auf Kontexte generalisiert wird, auf die es nicht passt.
•    wenn einem Verhalten eine "falsche/unpassende" Bedeutung zugeschrieben wird,
•    wenn zwischen dem tatsächlichen Verhalten und der dahinter liegenden Intention nicht unterschieden wird

Unter "Verhalten" verstehen wir hier:
•    sichtbare Verhaltensweisen (was genau tut eine Person?)
•    beobachtbare physiologische Merkmale ( Mimik, Gestik, etc.)
•    innere Prozesse (innere Bilder, Geräusche, Stimmen, Gefühle, etc.)

Entsprechend dieser Voraussetzungen unterscheiden wir folgende Arten des Umdeutens (Perspektiven Wechsels):

Kontextreframing:
Einordnen eines unerwünschten Verhaltens in einen dafür passenden Kontext und Finden eines neuen, passenden Verhaltens für den bisherigen "Problemkontext". Das kann sich auch auf Gefühle beziehen, so ist Angst in bestimmten Situationen angemessen, während sie z.B. bei einer Prüfung weniger passend ist.

Bedeutungsreframing:
Finden einer "passendere" Bedeutung für das als problematisch erlebte Verhalten = anderer Blickwinkel auf dasselbe Phänomen. Bezeichne ich z.B. mein Kind als Stur, könnte es auch als Ehrgeizig gesehen werden.

Bedeutungs- und Kontextreframing
sind die übergreifenden Grundmuster des kreativen Umdeutens.

Im Bedeutungsreframing wird für ein als problematisch erlebtes Verhalten (oder Zustand) eine andere, passendere Bedeutung gefunden. Dazu dienen z.B. Fragen nach der positiven Folge des Verhaltens (sekundärer Gewinn).

Beim Kontextreframing wird das unerwünschte Verhalten/ der "unpassende" Zustand in einen dafür passenden Kontext eingeordnet.
In beiden Fällen wird die Perspektive/ der Standort gewechselt und damit eine Neueinordnung und Neubewertung des beklagten Verhaltens ermöglicht.

Bedeutungs- und Kontextreframing
können in Form von verbalen Interventionen geschehen. Eine "Klage" (Zustandsbeschreibung mit offensichtlichen Meta – Modell - Verletzungen) wird sprachlich "torpediert". Besonders wirkungsvolle verbale Reframings werden "Power oder Punch-Reframings" genannt.

Das verbale Reframen ist nützlich als Vorbereitung für eine NLP-Intervention, denn der Perspektivenwechsel führt zu einer Zustandsveränderung, meist auch zu einer "Versöhnungsphysiologie" und schafft damit gute Voraussetzungen für eine effektive Arbeit.

Bedeutungs- und Kontextreframing sind auch die Grundlagen bestimmter NLP- Techniken:

Das Sechs-Stufen-Reframing z.B. ist ein Bedeutungsreframing.

Die Vorannahme bei dieser Intervention ist, dass es sich hier um einen Teil mit positiver Intention und unzureichenden Strategien zu seiner Umsetzung handelt. D.h.: Das Verhalten wird umgedeutet (gute Absicht). Das schafft die Basis für die Veränderungsarbeit: Jetzt werden neue, kreative Strategien zur Realisation der eigentlichen Intention gefunden.

Im Kontextreframing ist die Richtung eine andere. Hier ist die Vorannahme, dass jedes Verhalten einen Sinn macht in irgendeinem Kontext.
Bei dieser Technik wir das alte unerwünschte Verhalten in einen neuen Kontext transportiert und eine neue Verhaltensmöglichkeit für den alten Kontext gefunden. Hier erfolgt die Veränderung über die Veränderung des Kontextes, des äußeren Rahmens.

Im Verhandlungsreframing fließen sowohl das Kontext- wie das Bedeutungsreframing mit ein.

Auch hier ist die Vorannahme, dass es sich um sinnvolles Verhalten handelt (positive Absicht), das jedoch unkoordiniert abläuft, da sich hier zwei Teile miteinander im Konflikt befinden. Über die Kommunikation der Teile untereinander werden hier letztlich neue Kontexte (Rahmenbedingungen) geschaffen, die es beiden ermöglicht ihre gute Absicht zu erfüllen.

Sechs-Stufen- Reframing (einfaches Standard Beschreibung)

1.    Identifiziere unerwünschtes Verhalten "X" (z.B. Jähzorn)

2.    Kommunikation mit dem Teil, der für "X" verantwortlich ist:
a) Frage innerlich: "Lieber Teil, der für "X" verantwortlich ist, bist Du bereit, mit mir im Bewusstsein zu kommunizieren? Wenn ja, sende mir bitte ein deutlich wahrnehmbares Signal (VAKO)." Bedanke Dich bei dem Teil für die Kommunikation!

b) Etabliere ja/nein Bedeutung (Muskeltest, ideomotorisches Signal, verbal):

3. Trenne Verhalten von der Intention:
Frage innerlich "Bist Du bereit, mir die positive Intention bewusst zu machen?" "Dann mach das bitte jetzt." Bei Nein: Will er die Information in anderer Form übermitteln? Wenn er sie unbewusst lassen will, ist es auch O.K.

"Wenn es andere Wege gäbe, diese positive Absicht zu erreichen, wärst Du bereit diese kennenzulernen und auszuprobieren?

Bedanke Dich bei dem Teil für die Kommunikation!

3.Neue Wege finden, die positive Intention ohne die unerwünschten Nebeneffekte zu erreichen:

a) Kontakt zu kreativem Teil aufnehmen.
b) Bitte den kreativen Teil viele Möglichkeiten zu generieren, die positive Absicht zu erreichen und diese dem "X"- Teil zu unterbreiten. Bitte den "X"- Teil aus den vorgeschlagenen Alternativen wenigstens drei auszuwählen, die die positive Absicht mindestens genauso effektiv erreichen wie "X". Bitte ihn, Dir für jede gefundene neue Möglichkeit das "ja" Signal zu schicken. Die neuen Möglichkeiten können bewusst werden oder unbewusst bleiben. Beides ist in Ordnung.

5. Neue Verhaltensweisen implementieren:
"Willst Du die Verantwortung dafür übernehmen diese neuen Möglichkeiten in der nächsten Zeit auszuprobieren und zu prüfen, ob sie gut sind (falls nicht: selbstständig diesen Prozess neu durchlaufen). Falls ja: weiter zu Schritt 6: Falls nein: Zurück zu Schritt 4

6. Ökologie - Check: Frage innerlich:
"Gibt es irgendeinen Teil, der Einwände gegen die neuen Wege hat?" Wenn ja:
Bedanke Dich bei dem einwanderhebenden Teil für seine Kommunikation!
Mit diesem/ diesen Teil/ en zurück zu Schritt 2. In Schritt 4 dann Konferenz aller beteiligten Teile mit dem kreativen Teil. Wenn nein: Future Pace

7. Future Pace

In weiteren Beiträgen werde ich noch die anderen Reframings vorstellen. Wenn solche Techniken vorgestellt werden, können Sie im Forum anmelden und ein Thema dazu eröffnen um die Technik zu diskutieren. Das ist für Kenner und Interessierte gleichermaßen eine gute Möglichkeit tiefer in das NLP einzusteigen, auch über eine Ausbildung hinaus.

Posted by Uwe Schwarz

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