Apr 29

Re - Imprinting  - Glaubenssätze
nach R. Dilts

Glaubenssätze sind Generalisierungen, subjektive Interpretationen von persönlichen Erfahrungen. Bestimmten Lebenserfahrungen wird eine Bedeutung zugemessen, die sie nicht unbedingt haben und so können sie einschränkend oder erlaubend sein. Es sind Glaubenssätze über Ursachen - Wirkung, Bedeutungen, Begrenzungen und Erlaubnis. Sie können sich auf das Verhalten, die eigenen Fähigkeiten, auf die Identität (Ich bin) und Zugehörigkeit (ich gehöre zu..) wie auf die Welt im Allgemeinen beziehen.

Es sind Axiome, Grundannahmen, die Aussagen über Erlaubnis und Grenzen des eigenen Lebens machen. Oft sind es Glaubenssätze, die eine Ursache-Wirkung (A = B) oder eine Äquivalenz -Beziehung (A = B, bzw. A ist nicht = B) enthalten. Solche Glaubenssätze sind oft überhaupt nicht logisch und müssen auch nicht mit der „Realität“ übereinstimmen. Realität ist für jeden eine Subjektive Angelegenheit und besteht aus gesellschaftliche Übereinkunft, Übernahme und persönliche Interpretation.
Überzeugungen haben auf der Welt verheerendes Angerichtet, aber auch viel Positives. Jeder Mensch ist eingebunden in ein Netz aus Glaubensätzen, dem Glaubenssystem. Solche Systeme gibt es individuell wie auch kollektiv.

Beispiele solcher Generalisierungen sind:
 
Verallgemeinerung über kausale Beziehungen von Ursache und Wirkung
Kaba macht groß und stark :-)
Verallgemeinerungen über Bedeutungs-Beziehungen
Wenn ich rauche, gehöre ich zu den Großen.
Verallgemeinerungen über Grenzen- was ist Möglichkeit und was nicht.
Mit meiner Ausbildung komme ich nicht weit.
Verallgemeinerungen über Identität
Ich bin ein zurückhaltender Mensch
 
Einschränkende Glaubenssätze können häufig solche Strukturen aufweisen

1. Hoffnungslosigkeit:
Der Glaube, dass das ersehnte Ziel unerreichbar ist, egal welche Fähigkeiten man besitzt und einsetzt.
„Es ist Hoffnungslos, es wird sich nie ändern“

2. Hilflosigkeit:
Der Glaube, dass es zwar prinzipiell möglich ist, das angestrebte Ziel zu erreichen, aber man selbst dazu einfach nicht imstande ist und sein wird.
“Alle können es nur ich schaffe es nicht, egal was ich auch tue“

3. Wertlosigkeit:
Der Glaube, dass es unmöglich ist, das ersehnte Ziel zu erreichen, weil man es nicht wert ist, oder weil man etwas getan oder unterlassen hat. Das Thema verdient ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet.
“Ich verdiene es nicht gesund zu werden/erfolgreich zu sein“

Die tiefsten Glaubenssätze sind die über unsere Identität und Zugehörigkeit.
Glaubenssätze die eine generelle Aussage über mich als Mensch machen, oder zu wem ich gehöre. „Ich bin dumm“ ist etwas viel umfassender als „das kann ich noch nicht.“ „Die Welt ist schlecht“ als „es gibt gute und böse Menschen.“

Die am schwierigsten zu erkennenden Glaubenssätze sind die, die den meisten Einfluss auf uns haben. Sie sind meist außerhalb unserer Wahrnehmung (Unbewusst) und werden deshalb nicht hinterfragt. Sie sind uns selbstverständlich.

Da auch der Coach/Therapeut in ein Glaubenssystem eingebunden ist es wichtig, sich seines eigenen Systems weitgehend bewusst zu sein. Jede Methode hat zudem seine ausgesprochenen oder auch unbewussten Grundannahmen über Ursachen und Anatomie von Problemen. Hier ist es ebenfalls wichtig zu wissen, das diese Annahmen nützlich sein können, aber nicht der Wahrheit entsprechen. Diese Aussage gilt auch, wenn man 100mal eine vermeintliche Ursache festgestellt hat. Offenheit dem gegenüber was kommt ist eine wesentliche Richtlinie.
 
Zu dem ist es wichtig, dass auch der Klient viele Sicherheitsmechanismen haben kann um das Kern Thema verborgen zu halten. Diese müssen nicht bewusst sein und so können Teile des Klienten, etwas Ernstes ins spaßige ziehen, ablenken durch nichtrelevante Themen, ein zweitraniges Problem vorschieben, im Kreis herum führen und so weiter.

Der Prozess beginnt damit, dass man das unverwünschtes Verhalten identifiziert, das mit einem einschränkenden Glauben zu tun hat.
Dann suche die Stelle, an der du eine Art "Sackgasse" findest oder beim Fragen auf Widerstand seitens des Klienten stößt.

Anzeichen dass du auf der richtigen Spur bist, sind Phänomene wie: "eine Nebelwand im Hirn", „da ist nichts mehr,“ „das ist nur noch leere“(innere Blockade), offensichtlich falsche Hinweise und Ablenkungsmanöver seitens des Klienten (trotz Rapport).

Aussagen, die anzeigen, dass du eine solche "Sackgasse" im Denken des Klienten gefunden hast, die mit dem einschränkenden Glaubenssatz zu tun haben könnten ist, sind folgende:

Es macht zwar überhaupt keinen Sinn, aber....
Ich weiß nicht, was mich hindert....
Das bin/ wäre einfach nicht ich.
Ich muss einfach/ ich kann einfach nicht....
Es ist eben so..../ Ich kann es ja auch nicht verstehen...
Das ist nichts ...

Die geläufigsten Probleme, die mit Glaubenssätzen verbunden sind, sind die folgenden:

(= das Ende der Vernunft)

Double Bind:
Verdammt bin ich, wenn ich's tue, verdammt, wenn ich's nicht tue. Heißt also, egal was ich tue, es ist immer falsch.

Endlosschleifen:
Ich bin nichts wert, weil ich nicht es tue und ich kann nichts tun, weil ich nichts wert bin.

Paradoxe:
Ich versuche so sehr mich zu schützen, dass ich mich ständig in riskante Situationen begebe.
 
Der Re - Imprinting - Prozess

Eine Prägung (Imprint) ist eine einschneidende Erfahrung aus der Vergangenheit, aus der der Betroffene einen Glaubenssatz oder ein Bündel von Glaubenssätzen geformt hat. Eine solche Prägung beinhaltet meist auch eine unbewusste Rollen Übernahme von anderen wichtigen Personen, die damit zu tun hatten.

Das Re-Imprinting hat den Zweck, die fehlenden Ressourcen zu finden, den Glaubenssatz zu verändern und das Rollenmodell, das dort entwickelt wurde, an die realen und aktuellen Gegebenheiten des Betreffenden anzupassen.

A = Klient
B= Berater


1. A identifiziert ein einschränkendes Verhalten, dass er ändern möchte.

2. B identifiziert die dazu gehörigen Symptome (Gefühle, Worte, Vorstellungen), die mit dem Verhalten einhergehen. B erfragt den zugrundeliegenden Glaubenssatz. (Auf der Installierten Time Line)

Kennzeichen: Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit oder Wertlosigkeit, das Ende der Vernunft. - ankern
Erfrage die dazugehörigen Submodalitäten (das, was A zuerst einfällt): - ankern.
Zu Beginn wird also der Problemzustand geankert (in der Regel ein körperlicher Anker, der gehalten wird). Nun geht der Klient rückwärts auf der Time –Line, dem Gefühl folgend zurück in die Vergangenheit. Mit den Kennzeichen, ist gemeint, das es bevor der wesentliche Punkt erreicht wird, oft diffus werden kann, scheinbar nichts mehr kommt, oder das z.B. die beschriebenen Ablenkungsmanöver kommen.

Im Allgemeinen besteht der Re – Imprinting darin Ressourcen in die traumatische Situation zu bringen und diese auch den beteiligten Personen zu geben. Man möchte diese Prägung – Neu Prägen.
Es können aber auch systemische (Familiensystem) Situationen auftreten, wo man dann Fremdgefühle zurückgibt und ähnliches. Genauso kann es auch vorkommen dass der Klient dabei in ein früheres Leben rutscht. Hier müssen Sie offen bleiben und diese Erinnerung genauso behandeln wie wenn es eine Prägung aus dem „aktuellen“ Leben wäre.
Mit Teilen die Widerstände haben könnten, kann man zudem viel leichter umgehen, wenn man den ersten Schritte aus Phase 1 aus dem MST verwendet (siehe Mind System Transformation).

3. A geht nun mit diesem Anker seinen Lebensweg zurück, bis zu der Stelle, wo er die früheste Erfahrung mit dem Gefühl/Symptom gemacht hat.
Lasse A hier die Generalisierung bzw. den Glaubenssatz finden, den er aus dieser Erfahrung heraus Entwickelt hat.

4. Lasse A noch einen weiteren Schritt zurückgehen, bis zu dem Punkt, wo die Erfahrung noch nicht statt gefunden hatte. Dann tritt A aus seiner Zeitlinie heraus und kehrt in die Gegenwart, dissoziiert zu seiner Zeitlinie, zurück und blickt auf die prägende Erfahrung in seiner Vergangenheit.

Bitte A die Auswirkungen dieser Erfahrung auf sein späteres Leben zu bemerken. Lasse A auch - sofern vorhanden - weitere Generalisierungen und Glaubenssätze identifizieren, die er vielleicht später aus dieser Erfahrung heraus entwickelt hatte.

5. Finde die positiven Absichten, die sekundären Gewinne oder positiven Auswirkungen, die mit dieser Erfahrung verbunden sein mochten-

Finde wichtige andere Personen, die zu dieser Erfahrung gehörten. Manches Symptom hat damit zu tun, dass der Betroffene eine Rolle eines daran Beteiligten Übernommen/modelliert hat. Finde auch für diese Personen und ihr Verhalten die positive Absicht. Um dies heraus zu finden, kannst du A diese Menschen z.B. einfach fragen lassen (Auch mehrfach die positive Absicht dahinter erfragen)

6. Gehe für alle Personen, die mit der Prägungssituation in Verbindung stehen die folgenden Schritte durch (ähnlich wie Meta-Mirror, nur auf der Timeline):

a.) Finde aus der Dissoziation die Ressourcen oder Wahlmöglichkeiten, die die Person damals gebraucht hätte, aber nicht hatte. Du kannst Ressource-Anker stapeln, Erfahrungen auf der Time- Line einsammeln, Core-Zustände, Energie, Farben etc. schicken. Lasse deine Phantasie spielen. Achte bei den Ressourcen auf die logischen Ebenen.

b.) Lasse A mit all diesen Ressourcen in die Erfahrung desjenigen eintreten, assoziieren, der sie damals benötigt hätte. Aktiviere dabei den Anker, die Ressourcen.

Lasse nun die Person die gesamte Situation mit den Ressourcen neu erleben.

c.) Lasse A wieder aus der Zeit-Linie heraustreten und aus der Dissoziation die gemachte Erfahrung neu einschätzen:

Wie haben sich die Wahrnehmung der Situation, die Generalisierungen, die daraus gebildeten Glaubenssätze verändert? Welche neue Lernerfahrung möchte A aus der gesamten Erfahrung jetzt ziehen?

7. Bitte A die wichtigste Ressource zu finden, die er gebraucht hätte und ankere sie. Mit diesem Anker lasse A zurückgehen zu einem Punkt kurz bevor er diese Erfahrung machte.
Lasse A diese Ressource in sein jüngeres Selbst aufnehmen und die gesamte Time-Line hindurch bis zur Gegenwart gehen.



Diesen Beitrag im NLP Forum diskutieren

Posted by Uwe Schwarz

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